Das größte Spektakel der Erde wird die „Great Migration“ oft genannt. Über eine Million Gnus und mehrere hunderttausend Zebras wandern zwischen Serengeti und Masai Mara. Bis zu 3.200 km legen die dabei jedes Jahr zurück.
Die Große Migration ist eines der beeindruckendsten Erlebnisse auf einer Safari in Afrika, sie ist trotz aller Erforschung von Tierwanderungen noch immer in vielen Teilen ein Mysterium, sie ist der Beweis dafür, wie klug die Natur ist und dass man in ihre Ordnung nicht eingreifen sollte.

Warum ziehen die Tiere?

Die Herden folgen dem Regen und dem danach sprießenden frischen, saftigen und nährstoffreichen Gras. Trotz aller Forschung weiß man noch immer nicht, wie die Tiere die Niederschläge erspüren können. Studien zeigen, dass Gnus Regen über 50 km lokalisieren können, doch hat man noch nicht herausgefunden, ob sie den Niederschlag riechen können, oder Blitz und Wolken folgen.

Gnus und Zebras – eine produktive Arbeitsgemeinschaft?

Ein weiteres noch nicht wirklich geklärtes Phänomen ist das scheinbar gemeinsame Wandern von Gnus und Zebras. Manchmal nehmen Zebras einen anderen Weg oder gehen zumindest nicht die gleiche Route, doch oft sieht man große Herden zusammen. Es läge nahe, dass die friedliche Koexistenz für beide Tierarten von Nutzen ist. Die Tiere fressen zwar nicht das Gleiche, machen sich somit auch keine Konkurrenz, aber soweit man weiß, helfen sie einander auch nicht wirklich.

Ein ausgeklügeltes Ökosystem, das bedroht ist

Die Große Migration ist ein Segen für die Tiere und für die Landschaft.

Auf ihrem langen Weg produzieren die Tiere 420 Tonnen Dung pro Tag. Gemeinsam mit dem regelmäßigen Abweiden ist der Dung die Voraussetzung für ein fruchtbares Wachstum der Vegetation. Durch das Abfressen wird zudem verhindert, dass die Savanne total verbuscht – und es dann zu verheerenden Bränden kommen könnte, wo es heute nur oberflächliche Grasfeuer gibt.

Die Migration ist auch die Garantie für das Überleben der großen Anzahl von Löwen und Geparden, Hyänen und Schakale, Geiern und Adlern in Kenia und Tansania. Würden die Tiere an nur einem Platz bleiben, gäbe es Nahrung für vielleicht 200.000 Gnus, doch nicht für über eine Million – die Beute all der Raubtiere wäre nicht mehr gesichert.

So beobachten wir mit großer Sorge die Pläne zum Bau des Serengeti Highways. Die Autobahn soll quer durch die Serengeti führen, um die Städte Arusha und Musoma zu verbinden. Sie würde die Serengeti in zwei Teile spalten und die Migration nahezu unmöglich machen.

Wo halten sich die Tiere im Lauf des Jahres auf?

Auf Ihrem Rundkurs bieten die großen Herden für jeden Beobachter ein anderes tolles Erlebnis – dramatische Jagdszenen, die Geburt der Jungen, oder einfach nur einen Teppich aus grau-schwarzem und weißem Fell. Wer eine Safari nach Tansania oder Kenia plant, möchte natürlich gerne die Große Migration als Höhepunkt des Afrika-Urlaubs erleben. Hier ein grober „Fahrplan“ für die Migration.

Nach der kleinen Regenzeit im November/ Dezember ziehen die Herden in die Region um Ndutu in der südlichen Serengeti und halten sich hier bis ca. April auf. Innerhalb weniger Wochen bringen Sie dann im Februar ihre Jungen zur Welt. Ein toller Überlebenstrick – mehr als 500.000 Neugeborene sind sogar für Löwen und Hyänen zu viel des Guten – und so steigern sich die Überlebenschancen durch diese Massengeburt.
Wenn das Gras dann immer trockener und abgegraster wird, zieht es viele Tiere in die Grumeti-Region im berühmten Western Corridor. Während der Großen Regenzeit von März bis Mai sprießt hier das Gras reichlich. Andere Tiere wandern schnurstracks gen Norden Richtung Masai Mara. Nun sieht man scheinbar endlose Ketten von Gnus, die wie an einer Perlenschnur voranstreben.

Ab Juni wird das Wasser in der Serengeti knapp, die einzigen permanenten Wasserquellen sind dann nur noch in der Masai Mara in Kenia zu finden. Während der nächsten Monate ziehen einige Herden weiter in die Mara, andere halten sich am Mara Fluss an der Grenze von Kenia und Tansania auf oder überqueren den Mara River mehrmals zwischen den beiden Ländern. Während dieser Zeit kann man die wohl spannendsten Szenen der Großen Migration erleben – die River Crossings. Nur wenige Stellen des Mara Rivers eignen sich als Furt. Hier sammeln sich die Tiere – doch scheinen sie zu zögern. Sie wissen, dass das Wasser Gefahren birgt – die Strömung ist stark, das Ufer steil, im Wasser lauern Krokodile – doch siegt der Überlebenswille über die Furcht.

Bis in den Oktober halten sich die Tiere nun im Grenzgebiet oder in den reichen Weidegründen der Mara auf. Doch hat das Gras dort einen großen Nachteil – es fehlt an Phosphor, das die Weibchen für die Milchgewinnung benötigen. Und so ziehen die Herden ab November wieder gen Süden, wo der Kreislauf erneut beginnt.